Ich bin mehr und mehr irritiert von so mancher Berichterstattung. Mittlerweile bin ich teilweise sogar schon fast genervt davon. Ich möchte damit auch nicht einer spezifischen Redaktion auf die Füße treten, weil sich dieses Problem eigentlich meiner Ansicht nach durch die komplette Medienlandschaft zieht: die eigene Meinung anderen aufdrücken, ohne das sich jeder individuell vorher eine eigene Meinung bilden kann.

Hier also ein kleiner Kommentar meinerseits. Mir ist bewusst, das ich mich hier vielleicht grundsätzlich widerspreche: ich kann nicht einerseits sagen „Ich will nicht die Meinung anderer aufgedrückt bekommen, aber schreibe jetzt selbst meine Meinung zu einem Thema (bzw. ihr redet im Podcast darüber).“ Ja, so kann man es natürlich sehen. Meine Intention ist aber, zum Nachdenken anzuregen und bei der ganzen modernen Berichterstattung manche Themen für sich selbst zu hinterfragen und zu bewerten. Und einige News sind, was ich auch gleich beweisen muss, bewusst so formuliert, das man als Leser recht schnell voreingenommen wird.

Erstes Beispiel – Dune

Als erstes gravierendes Beispiel, bei dem ich das erste Mal richtig auf diese Problematik aufmerksam geworden bin, war die Berichterstattung rund um den lang erwarteten Kino-Film „Dune“. Ich persönlich hatte zum damaligen Zeitpunkt noch nicht wirklich viel von den den „Dune-Zyklen“ von Frank Herbert und den diversen Verfilmungen gehört. Und so hab ich mich mit einem meiner Arbeitskollegen ein bisschen über die Thematik und seine Erwartungen zum anstehenden Kinofilm unterhalten. Kurz danach hat er sich den Film dann auch im Kino angesehen und schon an seiner Bewertung auf Letterboxed konnte ich erkennen, das er ihm offensichtlich grundsätzlich ganz gut gefallen hat.

Am nächsten Tag im kurzen Gespräch während der Pause hat er mir erzählt, was ihm gut gefallen hat und was ihm nicht gut gefallen hat. Jeder für sich findet hier natürlich andere Punkte, welche gefallen und welche nicht gefallen. Ich für mich hatte jedenfalls entschieden, das ich, bevor ich ins Kino gehe bzw. mir den Film im Heimkino ansehen werde, das Buch dazu lesen möchte, um auch erstmal ein Grundverständis dafür aufzubauen. Nach diesem Gespräch ging ich zurück an meinen Schreibtisch. Dort hab ich noch einen kurzen Blick auf die aktuellen News auf meinem Handy geworfen und fand in meinen Push-Benachrichtungen von Google einen Beitrag von Moviepilot zu „Dune“ mit dem Titel „Dune ist kein Sci-Fi-Meisterwerk – und scheitert aus zwei Gründen“ (Hier auch der Link zum Beitrag zum selbst nachlesen).

Mehr wie den Titel und die Einleitung musste ich nicht lesen und war erstmal vollkommen irritiert. Mir wird hier von vorherein gesagt: Dune ist definitiv nicht gut (Scheitern ist ein hartes Wort) – noch bevor ich überhaupt lesen konnte, was genau ihm im Detail nicht gepasst hat. Ich weise nochmal darauf hin, das ich auch hier natürlich wieder die Faustregel „Jeder darf und soll seine eigene Meinung haben“ anwenden kann und muss. Aber warum entscheidet sich der Autor hier für den Weg „So, ich mach dir den Film jetzt erstmal schlecht und dann erklär ich dir, warum ICH ihn schlecht finde.“ Entschuldigung, wer bei solch einer „reißerischen Einleitung“ nicht sofort voreingenommen ist, soll mir sagen, wie er das geschafft hat. Ich war in dem Moment zumindest erstmal überrollt und wusste wirklich nicht mehr, was ich jetzt von dem Film halten soll. Wie ich kurz darauf aber mitbekommen hatte, wurde dieser Moviepilot-Beitrag in der Filmcommunity sowieso als äußerst kontrovers diskutiert, nichtsdestotrotz hat es mich, wie schon erwähnt, zum Nachdenken gebracht.

Mittlerweile sind einige Monate vergangen. Ich habe die Roman-Vorlage „Der Wüsteplanet“  zwischenzeitlich gelesen und freue mich auf den Heimkino-Release im Dezember. Im Kino konnte ich ihn mir nicht mehr anschauen, weil mir schlichtweg die Zeit und zum damaligen Zeitpunkt das notwendige „G“ dazu gefehlt hat.

Zweites Beispiel – Eternals

Im November stand der nächste große Marvel-Film „Eternals“ an. Als Fan der Comics und des Marvel Cinematic Universe befindet sich dieser Film natürlich auf meiner Watchlist, aber mit den aktuellen (strenger werdenden) Corona-Auflagen überlegt man natürlich, ob sich ein Gang ins Kino lohnt oder ob man einfach den Heimkino-Release abwartet. Und hier bin ich wieder auf die gleiche Problematik gestoßen: seit Release des Films am 03.11. lese ich nur schlechte Überschriften, das heißt mir wird wieder von vornherein gesagt, ein Film sei schlecht ohne mir vorher darzulegen, was den entsprechenden Autor gestört hat.  Jetzt kann natürlich jeder sagen „Ja, dann halt dich doch dann von solcher Berichterstattung fern“. Das ist doch heutzutage kaum noch möglich. Das Internet ist doch mittlerweile darauf ausgelegt, Interessen zu speichern und Inhalte darauf basierend auszuspielen. Das bedeutet, ich müsste schon einen kompletten Social Detox machen, um nichts mehr mitzubekommen – was ja an sich auch kein schlechter Gedanke ist, aber ich mit meinem Berufsfeld nicht vereinbaren kann.

Ich mein, ich komme ja mit Berichterstattung klar. Ich lese mir die Meinung anderer durch und ordne sie für mich ein. Ich bin aber überzeugt davon, das nicht jeder so tickt und eher die Meinung eines anderen als seine annimmt, ohne sich selbst eine Meinung zu bilden. Und das finde ich schade. Wenn Filme, Serien oder Games released werden, kursieren schon diverse Bewertungen und Meinungen im Internet, noch bevor man als 0815-Bürger ohne Influencer-Pfivilegen oder Autoren-Job überhaupt darauf Zugriff bekommt.

Ich stell mir die Frage: kann man hier überhaupt noch etwas daran ändern oder hat sich die Gesellschaft vielleicht schon damit abgefunden, das Meinungen vorgegeben werden?

Ich für mich hätte einen kleinen Ansatz gefunden, der vielleicht insgesamt in der ganzen Nerd-Community wieder für Spaß an der Sache sorgen könnte: ich fände es gut, wenn Berichterstattung rund um popkulturelle Themen wie Filme/Serien oder Games bis zwei Wochen nach Release auf das veröffentlichung von Bewertung und Meinungen verzichten würde. Denn ich denke, das in diesem Zeitraum der Großteil der Fans sich die Zeit genommen hat, sich die Sache selber anzusehen. So ein Zeitraum existiert doch ungeschrieben auch zum Thema „Spoiler“. Warum also nicht zum Thema „Berichterstattung“. Ab dem Ablauf dieses Zeitfenster kann von mir aus jeder Content ins Internet blasen und sich soviel reißerische und negative Überschriften ausdenken, wie er will .

Vielleicht kriegt der ein oder andere Beitrag vielleicht dadurch auch noch einen höhere, redaktionelle Qualität, weil ja auch die Redaktionen zwei Wochen zusätzlich Zeit bekommen haben, hier Content, Strategien und Kampagnen zu erarbeiten und nicht gezwungen sind, im Krieg der Medien, der erste zu sein, der irgendwas zu irgendeinem Thema raushaut.

Ich bin kein Mensch, der lieber in einer Blase leben und von nichts etwas mitbekommen möchte, das in meinem Interessensfeld liegt. Ganz im Gegenteil. Ich unterhalte mich mich gerne über Themen, informiere mich, lese Zusammenfassungen auf Wikipedia oder redaktionelle Beiträge und bin natürlich im Großen und Ganzen dankbar dafür, denn die Redakteure machen ja auch nur ihren Job.

Hin und wieder kommt es aber vor, das es für mich etwas zu schnell geht. Und da würde ich mir für unsere mittlerweile leider schnelllebige Gesellschaft wieder mehr Ruhe in so manchen Bereichen wünschen.